Vom Wettlauf mit dem Berg und keinen Glühwürmchen

Für die weitere Besichtigung der Nordinsel entschieden wir uns zunächst für die Westroute. Grobes Ziel war Mt Taranaki, ein 2518m hoher, wunderschön kegelig geformter Vulkan, dessen Gipfel sich gern mit Wolken umgibt. Der Berg ist auf der Landkarte sehr leicht auszumachen, denn er formt eine markante, riesige Nase in die Westküste der Nordinsel.

Bereits kurz hinter unserem Übernachtungsstopp Wanganui konnten wir den Vulkan am Horizont ausmachen, da war er noch 150km entfernt. Die Sicht war einfach herrlich. Unsere beiden Reiseführer waren sich darin einig, dass man vom Lake Mangamahoe an der Ostseite des Berges aus einen postkartentauglichen Blick auf den Berg hat, also wurde der TomTom erst einmal auf diesen See programmiert, um Fotos zu schießen. Ungefähr 30km vor dem Fotostopp war noch der ganze Himmel blau. Der ganze Himmel? Nein! Ein von unbeugsamen kleinen Wolken bevölkerter Vulkan hörte nicht auf, der blauen Übermacht Widerstand zu leisten. Tatsächlich schien der Berg die Wolken magisch anzuziehen, denn die paar wenigen Wolken die es gab, konzentrierten sich um den Gipfel. Eine Weiterfahrt zum Fotosee machte also keinen Sinn, jedenfalls nicht wenn der Zweck der Fahrt darin bestand, den Berg zu fotografieren. 1:0 für den Berg. Kurz umdisponiert fuhren wir Richtung Küste, die sich auf der Westseite des Berges befindet. Als wir einmal um den halben Berg gefahren waren, konnten wir beobachten wie die Wolken exakt an der Ostseite des Berges hängen blieben. Ich konnte also doch noch Fotos schießen, nur eben ohne See oder anderen postkartentauglichen Vordergrund. Ausgleich zum 1:1.

Mt Taranaki ohne postkartentauglichen Vordergrund

Mt Taranaki ohne See im Vordergrund

Zwischen Wellington und Mt Taranaki haben wir übrigens noch (Google sei Dank) einen DVD-Laden aufgetrieben, der die zweite Staffel von Breaking Bad vorrätig hatte. Es ist ja nicht so, dass uns hier langweilig wäre. Aber wenn Theo abends schläft, und es zu kühl wird um noch draußen zu sitzen, ist so ein Filmchen schon nett.

Wir übernachteten auf einem Campingplatz am Strand von Opunake am so genannten Surf Highway. Der nächste Morgen brachte Sonnenschein und strahlend blauen Himmel. Sollten wir es noch einmal wagen, zum Foto-Punkt zu fahren? Na klar, es war ja keine Wolke in Sicht! Einmal um den Berg dauert ungefähr eine Stunde. Nach einer halben Stunde Fahrt zogen die ersten Wolken auf, dann konnte man zusehen wie sie immer mehr wurden. Will uns der Berg komplett verarschen? Als wir schließlich am See ankamen, waren an der Stelle wo der Berg zu sehen sein sollte, nur noch verschiedene Grauschattierungen auszumachen. Na prima! Das sah nach einem 2:1-Sieg für den Berg aus. Völlig frustriert schauten wir auf die Landkarte, welches unser nächstes Reiseziel werden sollte. Als wir uns nach ein paar Minuten einig waren, schaute ich aus dem Fenster, und da lugte er frech zwischen den Wolken hervor. Er war zwar nicht komplett zu sehen, aber immerhin. Ausgleich zum 2:2 in der Nachspielzeit!

Mt Taranaki mit See und Wolken

Mt Taranaki mit See und Wolken

Das nächste Etappenziel sollte Waitomo werden, weltbekannt durch die Glühwürmchenhöhlen Waitomo Caves. Die Höhlen haben wir uns aber gar nicht angeschaut, da das in meinen Augen ein mächtiger Touri-Nepp ist. Ich bin selbst vor zwei Jahren darauf reingefallen. Man läuft zunächst durch Tropfsteinhöhlen, und das eigentliche Highlight – eine Bootsfahrt unter tausenden Glühwürmchen – ist schneller vorbei als man durch den angeschlossenen Souvenir Shop laufen kann. Dafür muss man dann knapp 50$ pro Person blechen.

Es soll hier aber durchaus auch attraktive Aktivitäten geben, z.B. mehrstündige Blackwater Rafting Touren. Diese Bespaßung ist aber nicht unbedingt kleinkindgerecht. Wir haben stattdessen eine tolle Wanderung durch Regenwald unternommen, bei der man auch an Höhlen vorbei kommt und teilweise durch enge Felsspalten klettern muss.

Danach kam dann Theos Highlight des Tages, der Besuch eines kleinen Tierparks mit exotischen Vögeln, Eseln, Ziegen, Schafen, Hühnern, Kaninchen, Straußen, Emus, Lamas, Alpakas, Enten, Schweinen, Ponys und Hochlandrindern. Theo hat sich gar nicht mehr eingekriegt, der ist völlig verrückt nach jeder Art von Tieren.

Abends mussten wir dann mitten in einer spannenden Folge von Breaking Bad feststellen, dass das mit dem Camper gemietete Multimedia Center bei der Hälfte einer DVD hängen bleibt und den Rest nicht mehr abspielt. Ich habe alles versucht, das Teil scheint wirklich defekt zu sein. Wenn mir nicht noch etwas Schlaues einfällt, müssen wir wohl noch 3 Wochen ohne Film und Fernsehen auskommen.

Weitersagen

3 Gedanken zu „Vom Wettlauf mit dem Berg und keinen Glühwürmchen

  1. „…und es zu kühl wird um noch draußen zu sitzen…“ wie süß… 😉
    hier schneit’s. und morgen soll angeblich frühlingsanfang sein…

  2. Wir haben auch die Waitomo Caves ausgelassen, sind aber zu den Waipu Höhlen gefahren. Eine kleinere Höhle, die am Ende einer Schafweide liegt, und die frei zugänglich ist. War sehr schön, mit tausendn von Glüwürmchen. Ist über eine Schotterstrasse nicht unweit vom DOC-Platz Uretiti Bay zu erreichen. Nicht unbedingt ein Geheimtipp, aber sehr zu empfehlen. Wir trafen nur zwei junge deutsche Paare auf dem Weg raus aus der Höhle.

  3. Pingback: Glühwürmer für umme | Theo on Tour

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.