Der warme Stinkefinger

Der nördlichste Teil Neuseelands, dessen Form phantasievolle Kiwis an eine Faust mit ausgestrecktem Mittelfinger in Richtung Australien erinnert, ist die Region Northland. Sie wird von den Einheimischen auch Der winterlose Norden genannt, da die Durchschnittstemperaturen im Winter um die 15°C betragen. Im Sommer liegen sie dann bei angenehmen 25°C. Wegen des subtropischen Klimas gedeihen hier unter anderem Nikau-Palmen, Bananen und Zitrusfrüchte.

Der Ort, der für seine Toilette bekannt ist, heißt Kawakawa. Hier lebte von 1973 bis zu seinem Tode im Jahre 2000 der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser, der die Toilette 1999 gestaltete.

Trotz der vielen Touristen, die nur zum Fotografieren kommen, steht die Toilette tatsächlich jedermann zu ihrem eigentlichen Zweck zur Verfügung.

Kawakawa lag auf dem Weg zu unserem nächsten Etappenziel, der Bay of Islands. Hier liegt die Geburtsstunde des heutigen Neuseelands, denn in der Bucht (genauer gesagt in der Ortschaft Waitangi) wurde am 6. Februar 1840 ein Vertrag zwischen Maori und Engländern unterzeichnet, der den Status einer Verfassung trägt. Der 6. Februar wird heutzutage als Nationalfeiertag begangen. Die kleine, hübsche Stadt Russell war für kurze Zeit Neuseelands erste Hauptstadt. Victorianische Gebäude prägen das Straßenbild. Insbesondere die Strandpromenade The Strand ist sehr reizvoll. In Russell steht auch die älteste Kirche des Landes.

Die Bay of Islands ist eine sehr beliebte Ferienregion. Hier kann allerlei Aktivitäten auf und im Wasser nachgegangen werden, z.B. beobachten von bzw. schwimmen mit Delphinen, Boot fahren, angeln (und zwar richtig große Fische wie Gestreifte Marlins) oder einfach nur baden. Die Bootsausflüge zur Beobachtung der Delphine sind sicher total schön, aber definitiv unspannend und viel zu lang für einjährige Kleinkinder mit großem Bewegungsdrang. Daher begnügten wir uns mit Spaziergängen und einem Besuch in einer sehr teuren Schokoladenmanufaktur.

Karfreitag und Samstag verbrachten wir auf einem Campingplatz im Ort Whatuwhiwhi an der Doubtless Bay. Das spannendste an dem Ort ist eigentlich der Name, denn er bietet sich für eine kleine Ausspracheschule an. Das in Ortsnamen maorischer Herkunft häufig anzutreffende ‚wh‘ wird nämlich überraschender Weise wie das ‚ph‘ in Philisophie ausgesprochen. In Lautschrift würde man Whatuwhiwhi als [fatfiːfiː] schreiben. Interessanter Ortsname, oder? Die Gegend der Doubtless Bay hat im Wesentlichen schöne Buchten und Strände zu bieten.

Perehipe Beach in Whatuwhiwhi

Perehipe Beach in Whatuwhiwhi

Am Strand wurden wir dann Zeuge einer spontanen Delphin-Show, als drei Delphine meterhoch aus dem Wasser sprangen. Leider waren die Tiere zu weit draußen und ich hatte auch nicht die richtige Ausrüstung dabei, um die Szene zu fotografieren.

Von Whatuwhiwhi aus unternahmen wir einen Tagesausflug an den nordwestlichsten Punkt Neuseelands, nach Cape Reinga (der allernördlichste Punkt Neuseelands am North Cape ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich). Cape Reinga liegt mal wieder am Ende einer sehr langen Sackgasse (mehr als 100 km lang). Es werden Tagestouren per Allrad-Bus angeboten, bei denen eine Richtung bei Ebbe auf dem Ninety Mile Beach langgebrettert wird. Das ist mit Sicherheit kein Kleinkind-gerechtes Vergnügen, daher sind wir selbst gefahren und dabei immer schön auf asphaltierter Straße geblieben. Kurz vor dem Cape Reinga bietet sich ein Stopp bei den bis zu 50 m hohen Te Paki Sanddünen an. Leider wurden wir dort von Schwärmen kleiner Fliegen regelrecht überfallen, so dass wir nach 5 min Aufenthalt an der frischen Luft die Flucht in den Camper antreten mussten. Die Fliegen haben zwar nicht gebissen, aber man konnte sich dort definitiv nicht länger aufhalten.

Te Paki Dünen

Te Paki Dünen

Vor Cape Reinga treffen der Pazifische Ozean und das Tasmanische Meer aufeinander, was durch die unterschiedliche Wellenrichtung beider Meere zu einem interessanten Whirlpool-Effekt führt. Von hier aus hat man auch einen wunderschönen Blick auf Cape Maria van Diemen, das als Titelbild dieses Blogs herhalten musste. Der Leuchtturm ist vermutlich der meistfotografierte des Landes, jeder Besucher des Kaps lässt sich vor ihm ablichten.

 

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